Während ich hier am Fuße der Dolomiten sitze und mich vom gestrigen Trail Running Abenteuer erhole, habe ich beschlossen, diesen Post zu schreiben. Es ist kein einfacher Post für mich, denn er hat mit einer für mich großen Entscheidung zu tun: Ich werde meinen ersten Marathon nicht in diesem Jahr laufen! Heute möchte ich euch von meinen Beweggründen erzählen und euch zeigen, was ich aus dieser Entscheidung – meinem Nein zum Marathon 2015 – gelernt habe.

Nein-Zum-Marathon-2015

Bereits nach meiner Operation im April und der Diagnose „Endometriose“ kam mir mein erster Marathon recht schnell in den Sinn. Kann ich ihn tatsächlich im September laufen? Und tut meinem Körper die intensive Trainingsvorbereitung, die Ende Mai starten sollte, wirklich so gut? Sollte ich nicht lieber darauf verzichten? Einige Wochen habe ich diese Gedanken noch beiseite geschoben, doch spätestens als wir aus Singapur zurückflogen, spürte ich in mir, dass ich eine Entscheidung treffen musste: Steige ich in die Marathonvorbereitung ein und laufe in Berlin im September das erste Mal in meinem Leben die Königsdisziplin oder konzentriere ich mich in diesem Jahr intensiv auf meine Gesundheit und lege meinen Plan für 2015 beiseite? Bei meinem ersten Lauf nach der Operation fasste ich schweren Herzens den Entschluss. Mein Körper gab mir das Signal. Ich werde mich nicht auf  den Berlin Marathon vorbereiten, denn mein Körper braucht jetzt meine volle Unterstützung und hat genug damit zu tun, wieder gesund zu werden. Da kann ich einfach keine solche Höchstleistung mit drei bis vier Trainingsläufen pro Woche von ihm verlangen. Doch genau das hätte ich wahrscheinlich getan, wenn ich erst einmal in meinen Trainingsplan eingestiegen wäre. Dafür kenne ich mich einfach zu gut.

Zunächst einmal fühlte sich meine Entscheidung furchtbar an. Worte wie „aufgeben“, „unfair“, „versagen“ gingen mir durch meinen Kopf. Gleichzeitig dachte ich daran, wie ich im September in Berlin erneut als Zuschauer am Rande stehen würde, um meinen Freund bei seinem ersten Marathon anzufeuern, obwohl ich genau mit ihm laufen wollte und mein eigenes Ticket nun verfällt. Doch meine innere Stimme beruhigte mich wieder und sagte mir: „Hey Kristin, das ist nicht deine letzte Chance, einen Marathon zu laufen! Du hast dich richtig entschieden. Du konzentrierst dich nun voll und ganz auf dich und deine Gesundheit und machst das, was dir gut tut. So soll es jetzt sein! Außerdem bedeutet dein Nein zum Marathon nicht ein Nein zum Laufen, ganz im Gegenteil!“ Und genau diese Worte gaben mir wieder Auftrieb und vor allem eine Freiheit, die sich wahnsinnig gut anfühlte. Ich konnte wieder langsam ohne Plan mit dem Laufen beginnen und so viel und so oft laufen, wie es mir gut tat. Meine ersten 10 Kilometer nach der Operation waren mein schönster Lauf seit Langem. Ich lief ganz langsam und spürte in mich hinein, ob ich noch Schmerzen hatte und wie mir der Lauf mit jedem Kilometer bekam. Gleichzeitig genoss ich voll und ganz die Natur. Ich hielt bei den saftig grünen Wiesen kurz inne, beobachtete kleine Kälber auf der Weide und ließ die letzten Sonnenstrahlen des Tages auf meiner Nasenspitze kribbeln. Auf dem Rückweg lief ich auf einem schmalen Feldweg, an dessen Rändern hohe Gräser wuchsen. Ich streckte beide Hände aus, berührte im Vorbeilaufen die Grashalme und stellte mir vor, wie ich meinen Marathon auf den letzten Metern laufe. Ich musste lächeln. Es tat nicht mehr weh, daran zu denken. Vielmehr fühlte ich mich bei diesem Lauf ganz nah bei mir. Es war ein Lauf für meine Gesundheit, ein Lauf nur für mich!

Auch hier in den Bergen geht es mir gerade einfach nur gut mit dem Laufen! Ich laufe dann, wenn mein Körper es möchte, wenn ich den natürlichen Drang nach Bewegung spüre und ich bleibe auch gern liegen oder sitzen, wenn ich nicht laufen möchte. Stattdessen schlafe ich morgens lieber eine Stunden länger oder lasse mich öfter auf meiner Yogamatte blicken. Ich kümmere mich gut um mich und das fühlt sich großartig an!

Das Leben ist nicht gradlinig und vollkommen planbar. Wir möchten das so oft und so gern glauben und tun uns deshalb mit Schicksalsschlägen und Abweichungen so schwer. Mir hat diese Erfahrung gezeigt, dass in jeder Planänderung auch immer etwas Gutes liegt. Wir können weinen und schimpfen, wenn ein heißgeliebter Plan nicht aufgeht. Aber wir haben auch immer die Chance, es anders zu sehen. Es ist unsere Aufgabe, uns genau für dieses Gute zu öffnen, denn DAS sind wahre Wunder!

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