Bei diesem Satz schreit es in vielen von euch sicherlich gleich laut los: „Waaaasss? Das ist doch egoistisch….So einfach geht das nicht!….Ich muss an den und den denken.“ Oh ja! Wir denken oftmals an so vieles in unserem Leben. Job, Familie, Partner, Freunde, Pflichten, Geburtstage, kleine Gefallen, Arbeitskollegen, Einkaufslisten, die Bedürfnisse anderer, an den zu hoch gewachsenen Rasen oder den Urlaubskuchen, der noch gebacken werden muss. Nur an uns selbst denken wir manchmal leider gar nicht!

Obwohl ich mittlerweile schon ganz gut darin geworden bin, auf meine inneren Alarmsignale zu hören, wann es denn nun wirklich mal wieder höchste Zeit für MICH ist, tappe auch ich ab und zu noch in die Falle. Das Leben ist einfach so vielfältig und manchmal zieht es mich wieder tief in den Sog von tausend anderen Dingen…das kennt ihr ganz bestimmt auch! Völlige Achtsamkeit, absolut im Hier und Jetzt leben und vor allem immer auf die innere Stimme und das eigene Wohlbefinden achten….das schafft wohl niemand in unserer heutigen Welt! Doch wir können ganz bewusst daran arbeiten.

In letzter Zeit begegnen mir immer mehr Menschen, in meinem Freundes- und Bekanntenkreis oder aber einfach auf der Straße, die ganz offensichtlich überhaupt nicht bei sich selbst sind. So zum Beispiel die überforderte Frau, die verzweifelt versucht, ihre beiden schreienden Kinder auf der Straße zu bändigen, oder aber der Karrieremensch, der zum Wohle der Firma eine Work-No-Life-Balance lebt. Das hat mich zum Nachdenken gebracht…

  • Warum stellen wir ausgerechnet unsere eigenen Bedürfnisse so gern ganz hinten an?
  • Warum sind wir oft so weit von unserer eigenen Natur entfernt?
  • Warum gehen wir so hart mit uns selbst um?
  • Warum verlangen wir ausgerechnet von uns Unmenschliches?
  • Warum sind wir uns in manchen Zeiten selbst so fremd?
  • Warum funktionieren wir manchmal nur, statt wirklich zu leben?
  • Warum lenken wir uns so oft mit allem möglichen Zeug ab und scheinen gar nicht zu uns kommen zu wollen?

Diese Fragen sind nicht leicht zu beantworten. Vielleicht überhaupt nicht. Marianne Williamson bringt es in ihrem Buch „Rückkehr zur Liebe“ so schön auf den Punkt: „Wenige Menschen haben uns so viel angetan wie wir uns selbst!“

In meinen Augen ist es das Wichtigste, dass wir diese abwesenden Zeiten an uns selbst wahrnehmen, dass wir merken, wann wir nicht mehr bei uns sind, und dass wir fühlen, wann wir ernsthaft darunter leiden. Denn wir haben es selbst in der Hand, uns aus diesem tiefen Strudel zu befreien. Wir werden nicht von außen gesteuert, wie wir es gerade in diesen schwierigen Phasen oftmals empfinden. Nein! Die Verantwortung liegt immer noch bei uns! Dieses Bewusstsein können wir aufbauen.

Dabei hilft mir seit geraumer Zeit ein ganz entscheidender Gedanke: Ich bin der wichtigste Mensch in meinem Leben! Punkt! Niemand sonst! Zunächst einmal rebelliert es innerlich in vielen von uns gegen diesen Gedanken. Bei mir genauso. Insbesondere wenn wir Kinder haben oder Familienangehörige/ Freunde, denen es schlechter geht als uns selbst. Doch habe ich mir dann klargemacht, dass – wenn es mir ganz offensichtlich nicht gut geht – ich auch nicht als ausgeglichener, energiegeladener Mensch für andere da sein kann. Wenn ich nur noch funktioniere, dann funktioniert es nicht! Ich habe dann nichts mehr zu geben! Und je länger ich einen solchen Zustand aushalte und nicht mehr bei mir bin, desto drängender werden die eigenen Bedürfnisse und desto weniger kann ich mich auf andere Menschen einlassen.

Es ist daher keineswegs egoistisch, wenn wir ständig gut für uns selbst sorgen. Es ist sogar unsere Aufgabe, denn damit helfen wir nicht nur uns, sondern auch den Menschen in unserem Leben! „Wenn jeder an sich selbst denkt, ist an alle gedacht“ bedeutet letztendlich nichts anderes als: Wenn jeder gut für sich selbst sorgt, dann sorgen wir dafür, dass es allen gut geht.

Wir dürfen uns also ruhig öfter mit dem Gedanken anfreunden: „Ich bin der wichtigste Mensch in meinem Leben.“ Er ist verdammt befreiend!

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