„Irgendwie schmeckt Grüner Tee immer komisch.“ Erst kürzlich bei einem Seminar führte ich ein spannendes Gespräch. „Ich möchte auch endlich den Dreh zu Grünem Tee herausfinden. Aber ich finde einfach nicht den richtigen Zugang…“, sagte mir die Teilnehmerin während wir mit unseren Teetassen die Pause genossen. Ich schaute auf ihre Tasse. Es war der Standard-Grüntee des Hotels und der Beutel zog schon gute 15 Minuten im kochend-heißen Teewasser. Kein Wunder, dass ihr dieser Tee nicht schmeckte! Zu heiß, zu lange gezogen und ein Null-acht-fünfzehn-Tee mit wenig Geschmack. Das soll gar nicht hochnäsig klingen. Ich war früher ganz genauso und habe lange nach den Geheimnissen des Grünen Tees gesucht. Dabei habe ich für mich herausgefunden: Grüntee ist schon die kleine Diva unter den Teesorten.  Doch wenn du den Dreh raus hast, dann ist Grüner Tee wirklich eine Offenbarung.

So war mir das Teepausen-Gespräch ein wundervoller Anreiz noch einmal richtig tief in das Thema Grüntee hineinzutauchen und einen ausführlichen Grüntee-Guide für dich zu schreiben. Mit Tipps, Ideen, Qualitätsmerkmalen und echten Empfehlungen der langjährigen Grüntee-Kennerin – Angelika Hartleib vom Tee Kontor Kiel. Von ihr habe ich schon unglaublich viel über das herrliche grüne Getränk gelernt und das wollen wir im Duo heute mit dir teilen.

Auf welche Qualitätsmerkmale sollte ich beim Kauf von Grünem Tee achten?

Die Tees sollten nach Möglichkeit umweltfreundlich produziert sein, um die Gesundheit der Arbeiter und die Nachhaltigkeit der Natur im Ursprung zu gewährleisten.

Die Ernteperiode spielt für die Qualität und Eigenschaften des Tees eine große Rolle. Bei japanischem Grüntee ist die erste Pflückperiode im Frühjahr deutlich schmackhafter, aromatischer und hochwertiger. Sommer- und Herbsternten sind eher einfache, tendenziell herbere, aber dafür auch preisgünstigere Tees.

Die späteren Ernten haben auch noch weitere Vorteile: In den Herbstblättern ist weniger von allen Inhaltsstoffen enthalten. Da also die für die Süße wichtigen Aminosäuren reduziert sind, ist der Teegeschmack herber und gleichzeitig der Koffeingehalt niedriger. Das heißt,  für koffeinempfindliche Menschen sind Tees wie ein Herbstbancha ideal. Wer lieber Power möchte (also Aminosäuren oder Katechine oder Koffein), der sollte zu Tee aus der ersten Ernte greifen.

Ganz wichtig ist außerdem: Halte dich immer an die Zubereitungsempfehlungen der Teehersteller! Auch wenn 30 Sekunden Ziehzeit oder sogar noch kürzer seltsam klingen, es hat seinen Grund. Ein Grüntee zieht selten länger als 1,5 bis 2 Minuten. Wenn du längere Zeitangaben auf der Verpackung liest, dann weißt du schon mit hoher Wahrscheinlichkeit, dass dieser Tee eher aus der industriellen Herstellung statt aus einem liebevollen Tee-Garten stammt. Wie heißt es so schön: In der Kürze liegt die Würze! Bei Grüntee ist das auf jeden Fall ein guter Anhaltspunkt für Qualität.

Bildquelle: Tee Kontor Kiel

Gelten diese Qualitätsmerkmale auch für Matchatees?

Bei Matchatee ist unbedingt auf ein EU-Bio-Siegel und Japan als Ursprungsland zu achten. Da man bei Matchatee das gesamte Blatt aufnimmt, sind in hier alle Inhaltststoffe besonders hoch konzentriert. Chinesische Pulvertees sind aufgrund des Trends überwiegend nachgemachte, minderwertige Produkte, die dem Original nicht nahe kommen können, da es selbst in Japan nur wenige Fachleute für die korrekte Produktion gibt.

Weiterhin solltest du beim Kauf von Matchatee darauf achten ob die Qualität nur für kulinarische oder Mixanwendungen gedacht ist oder für den puren Genuss. Matchatee für den puren Genuss gibt es nicht unter 20 Euro für 30g Tee.

Sencha, Kukicha, Shincha, Bancha – Was bedeuten denn die unterschiedlichen Grünteesorten und wonach kann ich mich richten?

Für Abends und auch für Einsteiger empfiehlt Angelika – die Teespezialistin – koffeinarme Sorten wie Kukicha, Bancha und Houjicha. Diese Sorten sind auch in der Zubereitung eher umkompliziert und passen gut zum Essen.

Für den Morgengenuss ist ein schöner Sencha (nadelförmig) oder Tamaryokucha (gekräuselt) der ersten Pflückung und/oder Matchatee ideal, meint die Teespezialistin und ich stimme ihr absolut zu. Mein liebster Tee für den Morgen ist tatsächlich ein Tamaryokucha. So lecker!

Direkt aus Japan hat Angelika ein Grüntee-Duo kennen- und lieben gelernt, das sich besonders toll für den Nachmittag und die eigene Teezeremonie eignet: Houjicha gepaart mit Matchatee. Das vegetabil-grüne Aroma vom Matcha steht im extremen Kontrast zu dem nussig-würzigen Röstaroma des Houjicha, schwärmt sie und da kommt direkt mein Wunsch wieder auf, auch einmal nach Japan zu reisen und die  historischen Teehäusern zu besuchen.

Shincha bedeutet letztendlich nichts anderes als „neuer Tee“. Dieser ist ab Ende Mai/ Anfang Juni im Teeladen erhältlich. Das grünste Grün Japans! Der Shincha schmeckt ganz besonders frisch, hat einen floralen Duft und im Geschmack süßlich-fruchtige Noten. Als besonderen Tipp empfiehlt die Teeexpertin beim Shincha sogar Kaltaufgüsse. Super für heiße Sommertag mit kaltem, grünen Tee!

Das Gleiche funktioniert übrigens auch prima mit einem guten Matchatee. Einfach 1 Teelöffel Matcha, einen 1/2 Teelöffel Honig und 2 Eiswürfel mit einem halben Liter Wasser in den Matchs-Shaker geben und kräftig schütteln. Ein Traum!

Um sich als Einsteiger ein bisschen durch unterschiedliche Teesorten zu probieren, bietet z.B. der Tee Kontor Kiel immer wieder Schnupperpakete im Dreierpack an. Im aktuellen Paket sind 3 tolle Grüntees aus Japan enthalten, die ich alle bereits einzeln probiert habe. Das Set eignet sich auch gut, weil alle drei Tees unkompliziert in der Zubereitung sind. Der Kukicha ist am mildesten und hat auch etwas weniger Koffein, ist sehr bekömmlich und daher perfekt für Starter. Ein weiteres Beginner-Set gibt von den grünsten Grünteesorten – den Shinchas. Auch toll!

Wenn du neben dem Grüntee-Guide noch mehr über Grünteesorten lernen möchtest, dann legen Angelika und ich dir diese Quelle zum Nachlesen und Schmökern ans Herz: Grün-Tee.com 

Bildquelle: Tee Kontor Kiel

Welche Tee-Empfehlungen gibt es denn für fortgeschrittene Grünteetrinker?

Für besondere Teestunden mit aromatischer Süße und viel Umami empfiehlt der Tee Kontor Kiel übrigens einen Kabusecha. Ein Kabusecha ist keine eigene Teesorte, aber ein mit Netzen beschatteter Sencha, der in Deutschland auch „Halbschattentee“ genannt wird. Durch die Beschattung wird die Bildung von Aminosäuren stimuliert und dadurch mehr Süße im Tee erzeugt. Ich liebe Kabusecha-Tees auf Grund des intensiven Umami-Geschmacks sehr. In meinen Augen macht das guten Grüntee aus. Für Grünteetrinker, die etwas Besonderes probieren möchten, empfehle ich diesen Kabusecha.

Weiterhin ist ein Gyokuro für Fortgeschrittene wirklich das Non-Plus-Ultra. Beim Gyokuro handelt es sich um einen extrem lange beschatteten, hocharomatischen, süßen Tee mit besonders viel würzigem Umami, der in eierbechergroßen Mini-Cups hochdosiert zu besonderen Anlässen genossen wird. Dieser Tee ist natürlich nicht so sehr für Einsteiger geeignet, aber wenn du mal Lust hast, etwas wirklich Zauberhaftes zu kosten, dann ist Angelikas und mein Tipp definitiv: Greif zum Gyokuro!

Wo sollte ich meinen Grünen Tee kaufen, wenn ich wirklich guten Geschmack erleben will?

Ganz wichtig ist es bei Grünem Tee auf Fachhandelqualität zu achten. Im Supermarkt, in der Drogerieoder auch im Bioladen gibt es einfach keine wirklich guten, frischen Tees. Lass dich am besten im Teefachgeschäft vor Ort beraten und traue dich auch, viele Fragen zu stellen, um die Kompetenz und den Service zu prüfen.

  • Woher stammt der Tee?
  • Wie wurde er geerntet?
  • Was ist das Besondere an dieser oder jener Teesorte?
  • Worauf muss ich bei der Zubereitung genau achten?

Diese und mehr sind gute Fragen, die eine Fachkraft wirklich beantworten sollte. Wenn du deinen Tee im Internet kaufe (so wie ich beim Tee Kontor Kiel), dann schaue dir auf jeden Fall die Beschreibungen an und stell auch kluge Fragen per Mail. Tee ist eine Leidenschaft und du wirst schnell merken, wer sich wirklich dafür interessiert oder einfach nur Tees weiterverkauft.

Sollte grüner Tee Bio-Qualität haben? Wie erkenne ich gute Teeanbieter?

Zu dieser Frage hat die Teeexpertin aus Kiel für diesen Grüntee-Guide nicht nur eine klare Meinung, sondern auch wunderschöne Geschichten, weshalb ich auch wahnsinnig gern beim Tee Kontor Kiel einkaufe.

„Der ökologische Anbau im Einklang mit der Natur liegt uns ganz besonders am Herzen. Nicht nur, weil wir uns vor eventuellen Rückständen fürchten, sondern vor allen Dingen, weil die Umwelt im Ursprungsland nachhaltig geschont und die Gesundheit der Landarbeiter nicht gefährdet wird.

Biobauern haben es in Japan, kulturell bedingt, besonders schwer und sind mutige Rebellen die von den konventionellen Kollegen kaum Akzeptanz und Anerkennung finden. Deren Arbeit finden wir daher besonders unterstützenswert, zumal sie viel härter arbeiten, müssen um vergleichbaren Profit zu erwirtschaften. Neben dem Mut ist auch besonders großes Know-How notwendig, um von konventionellen Anbau auf Bio umzustellen. Das schaffen nur Familienbetriebe, die auf die Erfahrung der alten Generationen setzen, denn die moderne Technologie hat völlig vergessen, wie das geht.

Besonders hochwertige Qualitätstees erschaffen die Tee-Gärten, die ihre Zukunftsvisionen mit der alten Tradition verbinden und Herzblut und Leidenschaft in die Teepflanzen stecken. Solche kleinen besonderen Familienbetriebe haben wir bereits zweimal in Japan besucht und sind inzwischen teilweise auch herzlich befreundet. Zwei davon sind sogar bei uns in Kiel zum Gegenbesuch gewesen und haben unseren Kunden aus ihren Teegärten ausführlich berichtet. Shutaro Hayashi aus Kirishima beispielsweise erntet Tees von etwa 100 Jahre alten Pflanzen seines Urgroßvaters. Er hat aber auch Teeanbau an der landwirtschaftlichen Uni studiert und kombiniert modernes Wissen mit den Tipps seiner Vorfahren. Seine Tees sind von besonders hochwertiger Qualität und das schmeckt jeder!“

Eine wahnsinnig schöne Geschichte, nicht wahr?! Angelika schreibt über ihre Teereisen auch auf ihrem Tee-Blog, wo ich mich schon oft inspirieren lassen habe. Japan als Reiseziel ist für mich und meinen Mann auf jeden Fall noch ein großer Traum. Das muss so schön zu erleben sein!

Aber bis dahin schlürfen wir einfach noch unsere Grüntees. Das süße Kännchen ist übrigens ein Geschenk von Angelika, die ich mit ihrer Art und ihrem Wissen so lieb gewonnen habe. Tee verbindet Menschen einfach. Von hier nach Kiel oder auch von Kiel nach Japan. Ganz egal! :-)