Vor einem Jahr hatte ich in puncto Laufen genau eine Frage in meinem Kopf: Wie soll ich es jemals schaffen, 21,1 Kilometer zu laufen? Oder sogar einen Marathon? Noch im letzten Herbst 2013 war ich eine typische Schönwetter-wenn-ich-denn-mal-Lust-habe-Läuferin. Ich bin zwar durchaus regelmäßig gejoggt, aber mehr als 4 bis 5 Kilometer wurden es nie. Heute laufe ich bei Wind und Wetter, stehe kurz vor meinem ersten offiziellen Halbmarathon – den ersten inoffiziellen bin ich bereits im Frühjahr 2014 gelaufen – und kann mir das Nicht-Laufen gar nicht mehr vorstellen! Aber wie zum Teufel bin ich dahin gekommen?! Heute möchte ich genau dieser Frage auf den Grund gehen, denn Fakt ist: Ihr könnt das alle schaffen!

Wenn ich in meinem Freundeskreis oder im Büro erzähle, dass ich 3 bis 4 Mal pro Woche meine Laufschuhe schnüre, Halbmarathondistanzen laufe und vom vollen Marathon mit 30 träume, werde ich immer wieder mit großen Augen angeschaut. „Wow, ich laufe zwar ganz gern, aber das würde ich NIEMALS schaffen!!“ Wie oft höre ich diesen Satz…!! Und ich kann ihn so gut verstehen! Wie gesagt: Vor rund 12 Monaten habe ich genauso gedacht. Es war für mich ein absurder Gedanke, dass ich jemals 21,1 Kilometer laufen werde. Sogar 10 Kilometer am Stück kamen mir damals schon wie eine Mammutdistanz vor. Ich und laufen? Hmmm…. Ich hatte das Gefühl, mir fehlten ganz einfach die Voraussetzungen dafür! Ausdauerkondition besaß ich nicht wirklich, ebenso wenig die langen „Läuferbeine“, außerdem fehlte mir die Geduld und vernünftige Laufschuhe waren auch nicht vorhanden. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass mich das Laufen jemals so begeistern würde, dass ich Stunden damit verbringen sollte! Auch meine zwei „Spaßläufe“ – der Women’s Run 2012 und der COLOR RUN 2013 – lösten bei mir keine anhaltende Motivation aus.

Doch ich glaube fest an einen Grundsatz des Lebens: Alles, was du brauchst, kommt zur rechten Zeit zu dir! Und so lernte ich genau vor einem Jahr einen Menschen kennen, mit dem ich mich bei einem Seminar tatsächlich stundenlang über das Laufen unterhielt. Er ist selbst Marathonläufer und hatte erst vor ein paar Jahren zum Laufen gefunden! Und so hörte ich ihm staunend zu, wie er mit leuchtenden Augen von seinem kürzlich gefinishten Berlin-Marathon-Erlebnis berichtete. Gänsehaut pur! Das hat mich so bewegt! Bereits im Gespräch habe ich gemerkt, wie es mir in den Füßen kribbelte. Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, dass ich – als ganz normaler Mensch – es tatsächlich schaffen kann! Kaum war ich wieder vom Seminar zurück, lief ich das erste Mal rund 11 Kilometer am Stück. Am nächsten Tag hatte ich tierischen Muskelkater, mir tat alles weh, aber irgendwie hielt mich das nicht ab. Und so begann ich wirklich, mich laufend herauszufordern!

Eines kam zum anderen. Ich kaufte mir nach einer ausführlichen Laufschuh-Analyse zum ersten Mal gute, für meinen Fuß wirklich passende Laufschuhe und spürte sofort einen Unterschied. Dann legte ich mir richtige Laufkleidung zu, denn schließlich wurde es bald Winter und mit den dünnen Fitnessstudio-T-Shirts kam ich bald nicht mehr aus. Meist lief ich so 5 bis 10 Kilometer – immer rund um meinen „Laufsee“. Egal bei welchem Wetter! Mein erster Lauf bei strömendem Regen war fantastisch! Ich habe am Schluss gekreischt wie ein kleines Kind, weil ich bis auf die Haut nass war! Ich hatte einfach Spaß….und der blieb! Vielleicht kam es mir auch entgegen, dass der letzte Winter 2013/2014 so mild war. Auf jeden Fall lief und lief ich meine Kilometer und dachte bald gar nicht mehr darüber nach. Ich lief einfach den ganzen Winter durch! Im Februar diesen Jahres schaffte ich dann erstmals die 10 Kilometer unter 1 Stunde! Ich war stolz wie Oskar und gab mir auf der Straße selbst einen Applaus! :-) Und auf einmal reichten mir auch die 10 Kilometer nicht mehr. Ich wollte mehr! Da meine Seerunde selbst mit ausgedehnten Schleifen dafür nicht geeignet war, suchte ich mir eine neue Strecke. Sie war dann allerdings gleich knapp 14 Kilometer lang. Als ich zum ersten Mal zu dieser neuen Laufrunde aufbrach, war ich super aufgeregt: Schaffe ich das denn überhaupt?! Doch ich bin langsam gelaufen und beendete meine neue Seerunde (irgendwie laufe ich immer um Seen) viel einfacher als gedacht! Und ab diesem Zeitpunkt war auch meine „Angst“ vor längeren Strecken gebrochen und mein großer Traum vom Marathon in 2015 geboren! Ich musste an Forrest Gump denken: Wenn ich schon 14 Kilometer laufe, dann schaffe ich auch 15 oder 16. Und wenn ich schon 16 Kilometer gelaufen bin, dann sind 18 auch kein Problem. Und wenn ich denn schon 18 Kilometer hinter mir habe, warum sollte ich nicht mal ganz für mich allein die Halbmarathon-Distanz ausprobieren?! Und genauso kam es: Am Ostersonntag lief ich bei strahlendem Sonnenschein zum ersten Mal die 21,1 Kilometer im Training! Hinterher hätte ich die ganze Welt umarmen können!

Jetzt im Sommer folgten noch einige offizielle kürzere Läufe wie der Nachtlauf in Braunschweig mit 12,2 Kilometern oder WE OWN THE NIGHT in Berlin mit 10 Kilometern. Jedes Mal brach ich meine Persönliche Bestzeit über 10 Kilometer! Außerdem wollte ich im Herbst auf jeden Fall noch einen offiziellen Halbmarathon laufen. Ich entschied mich kurzer Hand für meine Heimatstadt, da dies mein letzter Braunschweig-Lauf 2014 nach unserem Hauseinzug sein würde. In einer Woche ist es endlich soweit! Halbmarathon – du kannst kommen! Ich fühle mich gut vorbereitet, auch wenn ich gerade erkältungsbedingt einen Gang runterschalten musste.

Tja und gestern habe ich es getan! Ich habe mich tatsächlich genau für den Lauf registriert, von dem mir genau vor einem Jahr dieser wunderbare Marathonläufer mit absoluter Begeisterung erzählte und damit mein Lauffeuer entfachte: den Berlin Marathon 2015. Jetzt hoffe ich natürlich, dass ich einen Startplatz per Losverfahren erhalte und meine ersten 42,195 Kilometer im nächsten Jahr in der Hauptstadt laufen werde. Drückt mir die Daumen! Doch eigentlich bin ich auch hierbei entspannt: Alles was ich brauche, wird zur rechten Zeit zu mir kommen! Und wenn es nicht Berlin 2015 sein soll, dann wird es ein anderer wunderbarer, erster Marathon für mich werden!

Dies war nun meine Geschichte, wie ich mit dem richtigen Laufen begonnen habe, und ich hoffe, sie zeigt euch, dass auch für jeden von euch die 21,1 Kilometer oder sogar die Königsdisziplin möglich sind, wenn ihr gesund seid und es wirklich wollt! Von Null zum Halbmarathon ist kein Märchen, sondern absolut machbar! Bei mir hatte immer der letzte Anstoß gefehlt. Und den bekam ich auf wundersame Weise im letzten Jahr! Ich war fasziniert vom (Marathon-)Laufen, konnte es mir aber nie wirklich für mich vorstellen, weil ich es mir in meinem Kopf viel zu groß, zu unerreichbar ausgemalt hatte! Doch indem ich meine Laufschuhe schnürte und das Projekt tatsächlich anging, durchbrach ich Stück für Stück meine selbst aufgebauten Mauern. Ja, ich schaffe 10 Kilometer! Ja, ich schaffe 21,1 Kilometer! Und ja, ich schaffe auch im nächsten Jahr die volle Marathondistanz! Nicht weil ich plötzlich lange Beine bekommen habe oder die neuesten Laufschuhe besitze….nein, ganz einfach weil ich es will und es mir vorstellen kann! Und genau das ist das Geheimnis, weswegen ihr es auch könnt!

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