Heute geht es weiter mit meiner Blogserie über Stress und Entspannung. Im ersten Beitrag habe ich den neuesten „Trend zum Gestresst sein“ aufgegriffen, während ich euch im zweiten Post zum persönlichen Stresslevel-Test aufgefordert habe. Jetzt wird es höchste Zeit in den entspannenden Teil der Serie über zu gehen und darauf freue ich mich schon sehr. Ich stelle euch in den folgenden Wochen meine persönlichen Entspannungstechniken vor, die ich für äußerst wirksam halte. Ich wende sie selbst an. Die erste Entspannungsmethode ist etwas ungewöhnlich, aber dafür super wichtig, denn sie setzt früher an als jede andere Technik: Klare Ziele und Prioritäten setzen.

Warum ist es so wichtig, sich klare Ziele und Prioritäten zu setzen?

Dafür gibt es ein wunderschönes Zitat von Mark Twain: „Wer nicht weiß, wohin er will, darf sich nicht wundern, wenn er ganz woanders ankommt“. Dieses Zitat sagt alles aus. Wenn wir keine klaren Ziele vor Augen haben und dementsprechend auch keine Prioritäten zugunsten unserer Ziele setzen, dann müssen wir uns überhaupt nicht wundern, wenn wir nicht dorthin kommen, wo wir gern wären.

Es ist spannend: Ich denke, unterbewusst haben die meisten von uns eine grobe Ahnung, was wir gern erreichen wollen, denn wie häufig schauen wir auf andere, erfolgreichere Menschen und denken „Oh wow, das hätte/ wäre ich auch gern!“ Aber wir sind es meist nicht gewohnt, uns unsere Ziele so richtig bewusst zu machen und sie glasklar zu formulieren. Stattdessen wabern sie nur wirr in unserem Kopf herum und kommen erneut zum Vorschein, wenn wir wir mal wieder einen anderen Menschen bewundern.

Unklare Ziele und fehlende Prioritäten erzeugen Stress

Gleichzeitig führen unklare Ziele dazu, dass wir unsere Lebenszeit nicht sinnvoll einteilen, weil wir nicht zugunsten dessen, was wir wollen, priorisieren können. Und da kommt der Stress ins Spiel! Wenn wir keine oder nur unklare Ziele vor Augen haben, dann geben wir die Zügel an unsere Umwelt ab und sind offen für sämtliche Einflüsse von außen. Wie ein Pingpong-Ball werden wir von einem möglichen Traum zum nächsten geschleudert. Ich will unbedingt schlank sein und ich will auch einen Marathon laufen und Zeit mit meinen Freunden will ich ebenfalls wieder mehr verbringen und meine berufliche Karriere darf auch nicht zu kurz kommen und gleichzeitig möchte ich eine Weltreise machen und ich möchte natürlich jeden Tag selbst in meiner Küche kochen und und und.

Wir werden von außen überflutet von möglichen Zielen und merken gar nicht mehr, was WIR SELBST eigentlich wollen. Die Folge ist, wir machen von allem ein bisschen, sind gestresst und unzufrieden, denn ein bisschen schlank, ein bisschen laufen, ein bisschen Zeit mit Freunden, ein bisschen Weltreise, ein bisschen kochen und ein bisschen Karriere entspricht nicht dem, was unsere Außenwelt durch Filme, Fernsehserien, Medien, Vorbilder etc. uns vorlebt. Der einzige Ausweg liegt in einer klaren Zielsetzung und der Priorisierung unserer Zeit. Denn wenn wir ein oder zwei oder drei Ziele klar vor Augen haben, können wir all unser Tun danach ausrichten. Wir geben unserem Handeln einen Sinn und wir können auch „nein“ zu anderen Dingen sagen, die unseren  Zielen gar nicht entsprechen.

Wie lerne ich, mir klare Ziele und Prioritäten zu setzen?

Darüber könnte ich allein einen ganzen Beitrag oder sogar ein Buch schreiben. Sich klare Ziele und Prioritäten zu setzen ist eine Kunst. Besonders für Scannerpersönlichkeiten wie mich mit vielen Interessen. Doch es ist erlernbar und im Hinblick auf unseren Wunsch nach Entspannung elementar wichtig! Drei zentrale Aspekte möchte ich euch dazu mit auf den Weg geben.

Hinterfragt eure Ziele!

Wenn uns ein neues mögliches Ziel in den Kopf kommt, dann sollten wir es nicht sofort unbedacht in unser Leben übernehmen, sondern es zunächst einmal hinterfragen. Warum möchte ich zum Beispiel einen Marathon laufen? Was verspreche ich mir davon? Welches tiefere Bedürfnis wird dahinter sichtbar (Anerkennung, Erfolg, Stolz,…)? Gibt es auch andere Mittel und Wege dieses Bedürfnis zu erfüllen? Bin ich bereit, den Weg zum großen Ziel (die Marathonvorbereitung) in Kauf zu nehmen?…Dieses „Auseinandernehmen“ des möglichen Ziels hilft uns, zu spüren wie ernst wir es wirklich meinen, d.h. wie wichtig uns dieses Ziel tatsächlich ist oder ob es sich nur um eine fixe Idee von außen handelt. Wenn das Ziel diesem Kreuzverhör Stand hält, dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es uns wirklich wichtig und unsere Zeit und Mühe wert ist.

Formuliert eure Ziele klar und machbar!

Unseren Zielen einen herausfordernden und zugleich machbaren Rahmen zu geben, ist sehr entscheidend. Ein Ziel sollte natürlich herausfordernd sein, damit wir uns aus unserer gewohnten Komfortzone bewegen müssen, denn es ist kein Ziel, wenn wir es bereits  regelmäßig genauso tun. Gleichzeitig müssen wir jedoch aufpassen, dass ein Ziel machbar bleibt. Ich spreche bewusst nicht von „realistisch“. Machbar heißt für mich nämlich, dass ich mich durchaus strecken und anstrengen muss, um mein Ziel zu erreichen. Es steht nicht automatisch fest, dass ich es schaffen werde. Doch ich gestalte den Rahmen so, dass ich es schaffen kann und dabei zugleich gut auf mich achte.

Ein Beispiel: Mein Ziel ist es, einen Marathon  zu laufen. Jetzt könnte ich natürlich sagen, dass ich gern in 4 Wochen meinen ersten Marathon laufen will. Doch dieses Ziel ist zum Scheitern verurteilt, wenn ich noch nie zuvor 3km am Stück gelaufen bin. Allein das Training dorthin verursacht höchstwahrscheinlich unheimlich viel Stress und ist ungesund! Mit diesem gesetzten Ziel würde ich überhaupt nicht auf mich achten. Ich könnte aber auch sagen, dass ich gern in einem Jahr meinen ersten Marathon laufen will und ab heute anfange, mich bestmöglich darauf vorzubereiten. Der Marathon bleibt immer noch eine Herausforderung, aber der Weg ist gangbar.

Wählt nur wenige Ziele aus!

„Weniger ist mehr“ ist das beste Motto für die Zielsetzung, denn unüberlegte Ziele bringen uns genauso in Stresssituationen wie zu viele Ziele, die wir gleichzeitig erreichen wollen. Daher ist es unsere wichtigste Aufgabe, uns nur die aktuell wichtigsten Ziele vorzunehmen und mit ihnen in die Umsetzung zu starten. Welches die wichtigsten Ziele sind, finden wir heraus, indem wir all unsere nach dem Kreuzverhör übrig gebliebenen Ziele durchgehen und nach den ein, zwei oder maximal drei Zielen suchen, die das stärkste Wollen in uns auslösen. Die richtige Zielanzahl müsst ihr selbst für euch herausfinden. Es kommt hierbei ganz auf die Größe eures allerwichtigsten Ziels an. Ist das oberste Ziel bereits so groß und umfangreich, dann wählt lieber nur das eine aus, aber richtet euer Handeln ganz gezielt danach aus. Ein großes Ziel zu erreichen kann genauso erfüllend sein, wie zwei oder drei kleinere Ziele zu realisieren.

Nach dem Setzen der für euch richtigen Ziele fällt es viel leichter, eure Aktivitäten und Zeit zu priorisieren. Wenn ihr wisst, was ihr wollt, findet ihr ganz schnell heraus, was ihr für die Zielerreichung braucht und was eben nicht. Das führt langfristig zu Entspannung und schützt euch vor der Überfrachtung eures Alltags. Gleichzeitig motivieren klare Ziele und tragen uns sogar durch eher eintönige Alltagsphasen, da sie uns tagtäglich Sinn und Struktur in unserem Handeln geben.

Mir hat übrigens Christian Bischoff zum Thema Ziele sehr viel beigebracht. In seinem Seminar „Die Kunst, dein Ding zu machen“ ist die Zielsetzung ein wichtiger Baustein. Ich bin in 4 Wochen wieder in Landshut. Dort werde ich mein Wissen über Ziele wieder auffrischen und mir schon einmal Gedanken zu meinen neuen Jahreszielen machen. Freu mich schon drauf!

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