Heute geht es weiter mit meinen besten Entspannungstipps und -tricks aus ganz verschiedenen Bereichen. Ein Thema, wovon ich euch schon lange gern erzählen will, ist das meditative Laufen. Ja, ihr hört richtig! Laufen kann eine unglaublich entspannende Meditationspraxis sein, wenn ihr es richtig angeht. Wie das funktioniert, erzähle ich euch jetzt, denn Laufen ist meine Meditation! Mein Run and OM sozusagen!

Was meine ich mit meditativem Laufen?

Wie ihr wisst, laufe ich sehr regelmäßig und am liebsten genieße ich tatsächlich die meditativen Läufe. Manchmal ist es sogar der Grund, warum ich überhaupt laufen gehe. Ein Beispiel: Ich komme genervt oder gestresst von der Arbeit und möchte einfach nur raus. Das beste Mittel ist dann langsamer Lauf. Ganz langsam, ganz entspannt, ganz locker….ich laufe einfach los, ohne großes Equipment wie Pulsuhr, Musik oder Ähnliches. Nur ich und der Weg.

Am Anfang herrschen noch Chaos und wilde Emotionen in meinem Kopf, doch je mehr ich mich auf das gleichmäßige Geräusch meiner Schritte am Boden, die Laute der Natur, den Wind auf meiner Haut und meinen Atem konzentriere, desto leerer wird mein Kopf. Die negativen Emotionen und die Hektik verschwinden. Mit jedem Schritt ein bisschen mehr. Irgendwann merke ich nicht einmal mehr, dass ich laufe. Es läuft mich und ich kann alles um mich herum ganz intensiv mit all meinen Sinnen wahrnehmen. Das ist der meditative Zustand beim Laufen. Der Flow!

Dieser Zustand ist nicht nur wunderschön für mich, sondern wird auch von anderen Läufern so empfunden. Sogar Bücher gibt es schon zum meditativen Laufen! Zum Beispiel: „Die Seele läuft mit“ vom Benediktiner-Mönch Frater Michael Bauer. Er ist der Meinung: „Meditatives Laufen ist Balsam für Körper, Geist und Seele“ und beschreibt sein Laufen als ein „Körpergebet“. Sehr treffend bezeichnet, finde ich!

Wie wird Laufen zur Meditation?

Rein äußerlich betrachtet ist ein meditativer Lauf im Flow erst einmal ein langsamer Dauerlauf im Grundlagenausdauer-Bereich 1. Doch nicht jeder Dauerlauf im GA1 ist ein meditativer Lauf. Er wird erst zu einem meditativen Lauf, wenn ihr einige Aspekte ganz bewusst oder sogar intuitiv richtig macht.

Das Wichtigste – wie ich finde – ist die völlige Absichtslosigkeit eures Laufens. Hier geht es nicht um ein bestimmtes Zeit- oder Kilometerziel oder einen Wettkampf. Nur das pure Laufen steht im Fokus. Schritt für Schritt. Ganz bewusst. Ihr konzentriert euch nur auf die Gleichmäßigkeit eurer Bewegung, lauft ganz locker in der Hüfte und den mitschwingenden Armen und findet euren persönlichen Rhythmus, mit dem es sich ganz von selbst laufen lässt.

Des Weiteren wird eine reine Nasenatmung empfohlen, welche ein gutes Zeichen ist, dass ihr nicht zu schnell lauft. Außerdem geht die vielleicht etwas ungewohnte Nasenatmung tiefer als eine oberflächliche Atmung durch den Mund. Euer Zwerchfell wird aktiviert und die Bauchorgane massiert. Euer Körper kann damit auch innerlich besser entspannen und alles loslassen, was euch sprichwörtlich wie ein Stein im Magen liegt oder die Galle überlaufen lässt. Außerdem gibt eine intensive Nasenatmung ganz ungeahnte Energie. Ich kenne es bereits von der Ujjayi-Atmung aus dem Vinyasa Power Yoga. Diese Art der Atmung bringt den Körper richtig zum Glühen und liefert unheimlich viel innere Kraft.

Außerdem kommt ihr beim meditativen Laufen ganz im Hier und Jetzt an. Während eure Gedanken anfangs vielleicht noch abschweifen, könnt ihr sie ganz bewusst ausblenden, in dem ihr nur auf eure Schritte oder eure Atmung lauscht. Lauft daher auch unbedingt ohne Musik! Wenn ihr merkt, dass ihr alle Gedanken ausgeblendet habt und es wortwörtlich läuft, dann könnt ihr eure Aufmerksamkeit mal bewusst auf die Natur um euch herum richten und mit allen Sinnen wahrnehmen, was euch dort erwartet. Ich reiße unheimlich gern in solchen Momenten meine Augen ganz weit auf und lasse soviel Licht wie nur möglich hinein. Seht jedes Detail! Riecht die Natur! Hört ihre Geräusche! Spürt Wind, Sonne, Regen,… auf eurer Haut! Und schmeckt vielleicht sogar etwas…! Diese intensive Wahrnehmung eurer Umgebung und euch mitten drin lässt keine störenden Gedanken zu. Ihr seid vollkommen in der Gegenwart angekommen. Das ist Meditation.

So funktioniert das laufende Meditieren

Wie lange ihr laufend meditiert, bleibt ganz euch überlassen. Bei mir kommt nach einer Weile meist der Punkt, an dem ich automatisch mit meinen Gedanken „zurückkehre“ und einfach zufrieden bin. Dann laufe ich geradewegs nach Hause und ihr könnt euch vorstellen, welchen Unterschied dies ausmacht. Schon so manches Mal bin ich völlig ausgewechselt zuhause angekommen. Losgelaufen mit viel Wut, Ärger, Traurigkeit oder dem Gefühl des Gehetztseins. Zurückgekehrt ganz friedlich, gelöst und entspannt. Laufen ist meine Meditation, ganz einfach. Daher probiert es unbedingt aus bzw. nehmt es beim nächsten Mal ganz bewusst wahr, wenn ihr den Zustand bereits kennt, aber ihn noch nie als Meditation betrachtet habt!

Jetzt im Herbst und Winter ist das meditative Laufen übrigens besonders schön. Es ist viel weniger auf den Straßen, Feldwegen oder im Wald los, was euch ablenken könnte. Außerdem hecheln die meisten Läufer gerade sowieso keinem nächsten Wettkampf entgegen, sondern genießen die etwas ruhigere Offseason. Daher macht euren nächsten Lauf ganz bewusst zu einem meditativen Lauf oder gebt zumindest euer Bestes dafür! Denn der Flow und die gleichzeitige Entspannung setzen ganz von selbst ein.

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