Satte Farben, die Straßen voller Menschen, Marktstände mit duftenden Gewürzen so weit das Auge reicht und atemberaubende Tempelanlagen. Das sind die Bilder, die mir in den Kopf kommen, wenn ich an Indien denke. Seitdem ich vor etwas mehr als einem Jahr mit Yoga  begonnen habe, war es einer meiner insgeheimen Wünsche, einmal in das Land zu reisen, aus dem diese Philosophie ursprünglich stammt. Doch ich hätte mir nie träumen lassen, dass es so bald passieren würde.

Hier ist Jenny und in diesem neuen Gastartikel für EAT TRAIN LOVE möchte ich dir erzählen, wie unverhofft mein Yoga-Retreat für mich kam und entführe dich gern ins Land des Yoga. Außerdem möchte ich die Frage klären, ob es wirklich nötig ist, für ein Retreat ans andere Ende der Welt zu fliegen.

Oft sehen wir Hindernisse, wo keine sind

Indien war für mich ein Traum. Jedoch fand ich immer einen Grund, diese Reise in weite Ferne zu schieben, obwohl ich ganz klar spürte, wie der Gedanke mich anzog. Ich sagte mir, ich sei noch nicht fortgeschritten genug, um in Indien ein Yoga-Retreat zu besuchen und müsste erst noch mehr üben. Oder meine Familie könnte mir böse sein, wenn ich in meinen Ferien für zwei Wochen ans andere Ende der Welt verschwinde, anstatt diese Zeit bei ihnen zu verbringen. Oder ich dachte mir, ich sollte noch mehr sparen und und und. Du siehst irgendeine Entschuldigung fand ich immer, warum es nicht jetzt sein sollte, sondern später. Wie sich  herausstellte, waren alle diese Ausreden völlig unbegründet.

Manchmal fügt sich einfach alles wie von Zauberhand

Anfang des Jahres bot sich mir wie aus dem Nichts eine tolle Möglichkeit. Zufällig stieß ich beim Surfen auf die Seite des Purple Valley Yoga Centre in Goa. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt weder aktiv nach Yoga-Retreats gesucht, noch geplant noch in diesem Jahr nach Indien zu fliegen. Zu meiner Überraschung zögerte ich nicht lange, als ich sah, dass eine meiner liebsten internationalen Ashtanga-Yoga-Lehrerinnen, Laruga Glaser, ein Retreat in ebendiesem Yoga Centre anbot. Zufällig passte der Zeitraum perfekt in meine einzigen freien Wochen in den Semesterferien.

Bevor mir neue Ausreden einfallen konnten und obwohl der Termin schon in sieben Wochen war, setzte ich alle Hebel in Bewegung. Innerhalb kürzester Zeit checkte ich mein Erspartes, sprach mit Freunden und Familie darüber und fragte an, ob denn überhaupt noch Plätze frei wären. Und drei Mal darfst du raten, wer schon sieben Wochen später  mit Vorfreude im Flieger saß? :-)

Eine ganz neue Welt beim Yoga-Retreat in Indien

Als ich meinen Fuß bei fast 30 Grad zum ersten Mal auf indischen Boden setzte, kam mir alles immer noch so unwirklich vor. Während der eineinhalbstündigen Taxifahrt zum Retreat Centre begann dann allmählich die Realität zu mir durchzudringen. Ich war in Indien! Meine erste Reise allein und gleichzeitig auch meine bisher weiteste Reise. Das Lächeln war mir nicht mehr aus dem Gesicht zu wischen.

Wir fuhren vorbei an Palmen, Kühen, die sich auf der Straße sonnten und Affen, die von Baum zu Baum sprangen. Die Minuten verflogen wie Sekunden angesichts der unbekannten Welt außerhalb des Taxis.

Das Abenteuer Yoga-Retreat beginnt

In meiner Unterkunft angekommen wartete ich beinahe darauf, dass der Jetlag sich jeden Augenblick einstellen würde. Immerhin war ich seit knapp sechzehn Stunden unterwegs und hatte drei Flüge hinter mir, aber die indische Sonne und das Abenteuer ließen mich keine Müdigkeit spüren. Mein Zimmer war nur knapp fünf Minuten Fußweg vom Retreat Centre entfernt. Ich wusch mir also den Stress des Hinflugs vom Gesicht, zog mich um und machte mich auf zur Willkommensrunde.

Unsere Gruppe bestand insgesamt aus 55 Leuten aus allen Teilen der Welt und jeden erdenklichen Alters und Yogalevels. Eine richtig bunte Truppe kann man sagen. Sofort fühlte ich mich wohl angesichts der vielen tollen Menschen und der wunderschönen Retreat-Anlage mit großem Garten, Pool und zahlreichen ungestörten Ecken zum Entspannen.

Zwei Wochen voller Yoga

Nachdem alle Teilnehmer eingetrudelt waren, stellten sich das Retreat-Team und unsere Lehrerin Laruga mit ihren Assistenten vor. Außerdem wurde uns der Zeitplan für die Woche erklärt. Ganz nach dem traditionellen Prinzip des Ashtanga fand von Sonntag bis Freitag jeden Tag eine Morning Practice um sieben beziehungsweise acht Uhr statt und an vier Tagen der Woche gab es Workshops am Nachmittag, um einzelne Elemente des Yoga zu vertiefen und auch über die spirituelle Seite der Praxis zu sprechen. Mittwoch- und Freitagnachmittag, sowie der komplette Samstag waren für uns frei.

Wie ich erfreut feststellte, fand am nächsten Morgen erst einmal eine geführte Yogastunde statt, bevor es in die sogenannte Mysore Class ging, in der jeder nach seinem eigenen Rhythmus Yoga praktiziert. Außerdem würde sich einer der Assistenten in den ersten Tagen der Anfänger annehmen, womit dann auch meine Sorge um mein bisher noch niedriges Yogalevel vom Tisch war.

Eine schweißtreibende Angelegenheit

Wenn du schon einmal Ashtanga Yoga gemacht hast, weißt du, dieser Yogastil bringt dich ziemlich ins Schwitzen. Doch in Indien ist es im März selbst am Morgen schon fast dreißig Grad heiß. Die Hitze gepaart mit einem ganzen Raum voller sich bewegender Yogis und einer Lehrerin, die dich sanft, aber bestimmt an deine Grenzen bringt, macht dich zum lebendigen Wasserfall.

Obwohl ich nicht alle Asanas mitmachen konnte, war die Atmosphäre im Raum unglaublich. Da ich in Deutschland meist Zuhause praktiziere und nur einmal die Woche eine Yogastunde in einem Studio besuche, war diese Erfahrung für mich etwas ganz Neues. Die Energie in der Shala (so nennt man das Haus oder den Raum, in dem man praktiziert) war mit Händen zu greifen. Obwohl ich auf meine eigene Praxis fokussiert war, war es faszinierend, wie jeder seinem Atemrhythmus folgte und in die einzelnen Asanas glitt. Dieses Gefühl zog sich auch durch die Mysore Classes, die ich am Anfang so sehr gefürchtet hatte.

Atmen, einfach atmen

In den ersten Tagen ging David, einer der Assistenten, die ersten Asanas der sogenannten Ersten Serie mit uns durch, damit wir die richtige Ausrichtung, Atemtechnik und die Reihenfolge verinnerlichten. Obwohl unsere Praxis dadurch noch relativ kurz war, war sie sehr intensiv. Jeden Morgen wachte ich mit Muskelkater an einer anderen Stelle auf.

In der zweiten Woche des Yoga-Retreats durften wir dann nach unserem eigenen Rhythmus praktizieren und das war toll! Ich hätte nie gedacht, dass ich diese selbstständigen Stunden mehr genießen würde als eine geführte Klasse. Ich konnte mich meinem Atem anpassen und musste mich nicht an jemand anderem orientieren. All meine Sorgen, dass ich die Reihenfolge der Asanas vergessen würde, waren unbegründet. Denn Laruga und die anderen Assistenten waren immer mit im Raum und halfen weiter, wo es Schwierigkeiten gab oder assistierten uns, damit wir die Asana bestmöglich meistern konnten. Ich habe mich nie allein gefühlt. Doch das Beste war für mich immer die Schlussentspannung am Ende meiner Praxis. Völlig verschwitzt und fertig mit geschlossenen Augen auf meiner Matte zu liegen und das Gefühl zu genießen, einfach loslassen zu können, ist grandios.

Schlemmen, Strand und einfach Sein

Nach der Praxis ging es direkt zum Frühstück, wo mich jeden Morgen ein frisch gepresster Saft oder eine Kokosnuss erwartete. Was das Essen angeht, war Indien das Paradies für mich. Während ich in Deutschland desöfteren Probleme habe, in Restaurants oder Cafés ein veganes Gericht zu finden, war das in Indien kein Problem. Ein Großteil der Bevölkerung lebt ohnehin vegetarisch und so gab es mehr vegetarisch-vegane Gericht als Gerichte mit Fleisch oder Fisch. Besonders im Retreat Centre war das Essen fantastisch und unsere Dessertkönigin Leilah zauberte uns die besten, zum großen Teil sogar rohköstlichen Nachspeisen.

An den freien Tagen besuchten wir mehrere lokale Märkte. Dabei ist besonders der Nachtmarkt in Arpora einen Besuch wert. Dort gibt es Livemusik, tolle Stände, an denen man im Gegensatz zu anderen Märkten in Ruhe schauen kann und auch tolles Essen wird dort angeboten. An zwei weiteren Tagen zog es uns an den Ashwem Beach, der vergleichsweise ruhig, aber sehr schön ist. Die Sonnenuntergänge dort sind unvergesslich. Außerdem nutzte ich die freie Zeit, um zu Lesen oder mit den anderen zu Fuß die nahegelegenen Cafés zu entdecken.

Abschied nehmen vom Paradies

Am Ende meines ersten Yoga-Retreats fiel es mir sichtlich schwer, Abschied zu nehmen und so packte ich meine Koffer mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Ich habe mich in Goa sehr wohl und irgendwie geerdet gefühlt. Ich habe so viele tolle Menschen kennengelernt und meine Yogapraxis hat an Tiefe gewonnen. Mein Gepäck war nach diesen zwei Wochen voll von wunderbaren Erinnerungen, Erkenntnissen und einem ungewollten Last Minute Sonnenbrand. :-)

Allerdings freute ich mich auch auf Zuhause und natürlich auf meine Lieben. Auch wenn es nur zwei Wochen waren, Indien hat mich doch ein Stück verändert. Ich denke nun anders über manche Dinge und auch der Verkehr kommt mir immer noch ein bisschen zu geordnet und die Häuser ein wenig zu unbunt vor. Dieses quirlige, volle und manchmal laute Land hat in mir doch auf irgendeine Weise einen Ort der Stille hinterlassen.

Verschiebe deine Träume nicht auf später

Wenn du mit dem Gedanken spielst, ein Yoga-Retreat zu besuchen, dir aber nicht sicher bist, möchte ich dir ans Herz legen: Tu es einfach! Du wirst nichts mehr bereuen, als es nicht getan zu haben. Das gilt übrigens auch für jeden anderen Herzenswunsch von dir. :-)

Muss es unbedingt Indien für dein Yoga-Retreat sein?

Was den Ort deines Retreats angeht, denke ich, dass es nicht unbedingt Indien sein muss. Es gibt tolle Yoga-Retreats und Lehrer auf der ganzen Welt. Schau einfach, wohin es dich zieht und was zu dir passt. Sollte dieser Ort – wie bei mir – Indien sein, toll! Aber ein Retreat in Deutschland kann genauso wunderbar sein. Ich bin ehrlich der Meinung, dass beim Yoga weniger der Ort eine Rolle spielt, sondern viel mehr die Hingabe und die Atmosphäre. Das Ganze muss zu DIR passen, dann wird es ganz sicher eine tolle Erfahrung.

Wie sieht es bei dir aus? Hast du Lust bekommen, einmal ein Yoga Retreat auszuprobieren? Oder spielst du vielleicht sogar schon länger mit dem Gedanken? Wenn du jedoch noch nicht so richtig weißt, wo die Reise hingehen soll, möchte ich dir einen Artikel von Kristin zu diesem Thema  ans Herz legen, in dem sie einen kleinen Ratgeber für dich bereit hält, mit dem dein perfektes Retreat finden kannst und eine Packliste hat sie für dich auch.

Ich wünsche dir alles Liebe und dass du DEIN persönliches Yoga-Retreat findest.