Gestern war ein ganz besonderer Tag für meinen Freund. Er hat seinen ersten Marathon in Berlin 2015 gefinisht und ich habe ihn dabei begleitet. Einerseits mit schwerem Herzen, weil ich natürlich selbst gern mein Marathon-Debüt gegeben hätte, aber andererseits war es mir auch eine riesige Freude, ihn auf seinem Weg zur Königsdisziplin zu begleiten und meinen Helden nach etwas mehr als 4 Stunden in Empfang zu nehmen. Heute berichtet Christoph ganz frisch von seinem ersten Marathon, denn natürlich darf er meine Blogserie „Mein erster Marathon“ fortsetzen und hat für euch seine fantastischen Eindrücke und persönlichen Marathon-Tipps in diesem Interview zusammengefasst.

Mein-erster-Marathon

Kristin: Es ist noch ganz frisch! Dein erster MARATHON IN BERLIN 2015! Wie war es für dich? Was ging dir auf den 42,195 Kilometern durch den Kopf? Gab es zwischendurch auch mal Zweifel, dass du es schaffst? Wie hat es sich angefühlt, als du die letzten 900 Meter durch das Brandenburger Tor gelaufen bist?

Christoph: Der Marathon war großartig. Ich denke, ich habe alle Emotionen erlebt, die 42,195 Kilometer zu bieten haben. Der Start allein war schon aufregend. Mit über 40.000 Läufern im Startblock zu stehen ist ein Erlebnis für sich. Leider musste ich als Neueinsteiger aus Block H (dem letzten und größten Block) starten. Damit habe ich vom Start nur sehr wenig mitbekommen. Als dann aber unser Block um 9.35 Uhr starten durfte war es ein tolles Gefühl. Wenn sich die Menge in Bewegung setzt – erst langsam gehend, dann laufend – ist das wirklich cool.

Auf der Strecke selber gab es nahezu alle Emotionen. Von „wie cool ich laufe meinen ersten Marathon durch Berlin“ bis hinzu „Warum tue ich mir das jetzt genau an?“ war alles dabei. Zweifel die Strecke zu schaffen, hatte ich zu keiner Zeit. Nur ob ich mein Zeitziel, das ich mir gesetzt habe erreiche, war für mich immer im Hinterkopf dabei. Der Höhepunkt ist letztendlich der letzte Kilometer. Das Einbiegen auf die Zielgerade „Unter den Linden“ mit dem Brandenburger Tor im Hintergrund und dahinter dann das langersehnte Ziel. Dazu noch meine wundervolle Freundin am Streckenrand, die mir zujubelt und sich gemeinsam mit mir für diesen Moment freut. In diesem Moment war meine Erschöpfung der letzten Kilometer verschwunden und ich bin regelrecht ins Ziel geflogen.

Erster-Marathon-in-Berlin-DebütKristin: Ich freue mich sehr, dass es dir so gut dabei ging und du deinen Marathon mit einem Lächeln beendet hast! Nun ist das große Ziel geschafft und es kehrt wieder etwas Ruhe ein. Aktuell denkst du bestimmt erst einmal gar nicht ans Laufen, oder? Wie gestaltest du deine Regeneration? Hast du jetzt erst mal die Nase voll vom Laufen oder bist du gedanklich schon wieder auf der Laufstrecke?

Christoph: Das ist eine spannende Frage, auf die ich zwei Antworten habe. Erstens möchte ich meine Laufschuhe und meine Laufsachen nicht mehr sehen. Allein die Vorstellung ist mir momentan ein Graus. Auf der anderen Seite hatte ich vorhin tatsächlich Lust, bei dem wundervollen Wetter einen kleinen lockeren Lauf zu machen. Aber dann ist mir wieder aufgefallen, dass mir bei jedem Schritt die Beine wehtun, so dass es in der Tat total bescheuert wäre, heute zu laufen. :-) Meine Regeneration wird so aussehen, dass ich die nächsten Tage versuche, soviel es geht die Beine zu entspannen, mich leicht zu dehnen, mit dir ab und an ein wenig Yoga zu machen und mal wieder die Black Roll zu benutzen. Ansonsten hoffe ich auf nächsten Sonntag und würde dann mal versuchen, ob ich nicht einen kurzen Lauf machen werde. Und dann weil ich laufen möchte und nicht weil ich einen Trainingsplan habe, den ich erfülle.

Kristin: Erzähl doch mal für all meine Leser: Wie lange hast du für einen ersten Marathon trainiert? Nach welchem Trainingsplan bist du vorgegangen? Und wie hast du dich zu dem intensiven Training motiviert?

Christoph: Konkret auf diesen Marathon habe ich jetzt 16 Wochen trainiert. Hierzu hat mir Heiko von Laufen Total wöchentlich einen Trainingsplan erstellt, der mich punktgenau auf mein Ziel hinlaufen lassen hat. Das war für mich das Entscheidende an meiner gesamten Marathonvorbereitung. Ich wusste, dass sich hier ein erfahrener Lauftrainer Gedanken zu mir, meinen Voraussetzungen und meinem Ziel macht und mir Woche für Woche einen persönlichen Trainingsplan schreibt. Das hat mir das Gefühl gegeben, dass ich mein Ziel schaffen kann. Und das hat mich auch motiviert dran zu bleiben und keine Ausreden zu suchen.
Davon mal abgesehen ist so ein professioneller Trainingsplan 10mal interessanter und effektiver als der Standard-Trainingsplan aus dem Internet oder einer Laufzeitschrift. Ich hatte von den klassischen langen, langsamen Läufen, über Lauf-ABC, Steigerungsläufen und Intervalltraining stets eine tolle Mischung aus intensiven und ruhigeren Einheiten.

Kristin: Beim Marathonlaufen geht es aber nicht nur um das Laufen an sich. Was hast du denn im Nachhinein durch deine Vorbereitung und deinen ersten Marathon gelernt? Was war deine wichtigste Erkenntnis?

Christoph: Was habe ich beim Marathon gelernt? Insbesondere im Laufe des Trainings habe ich eins gelernt. Immer wenn ich am Ende einer Woche meinen langen Lauf gehabt habe und dachte „Mehr geht nicht!“, habe ich in der nächsten Woche festgestellt: „Doch, da geht noch was!!“. Dieses Gefühl – über seine eigenen Grenzen hinausgehen zu können, immer noch ein wenig mehr, ein wenig schneller und ein wenig weiter laufen zu können – ist super!

Am Sonntag beim Lauf hatte ich dann ein besonders Erlebnis, über das ich sehr glücklich bin. Mein ausgerufenes Ziel war „meinen ersten Marathon unter 3:59:30 zu finishen“. Also bin ich einfach so gelaufen, als würde ich dieses Ziel erreichen. Das hat bis Kilometer 35 auch wunderbar funktioniert. Und dann war auf einmal der Punkt, an dem ich kämpfen musste. Ich habe mich so auf meine Schritte konzentriert. Ich habe nichts mehr von der Umgebung wahrgenommen. Nicht mehr die Menschen am Rand, nicht mehr die „Sehenswürdigkeiten“ von Berlin. Ich war allein mit mir und meinem Körper. In dem Moment hatte ich meine große Erkenntnis für meinen ersten Marathon. Warum quäle ich mich jetzt die letzten Kilometer so sehr?! Ich habe keinen Spaß am Laufen, an der Stimmung, an der Stadt. Es war einfach nur anstrengend und ätzend. Daher habe ich mich spontan entschlossen, das Tempo zu verringern und meinen Lauf mit einem Lächeln auf den Lippen, einer wunderbaren Erinnerung und einem großartigen Gefühl zu beenden. Ja, am Ende habe ich pro Kilometer 1:00 Minute verloren, na und?! Das interessiert niemanden. Aber ich hatte die Zeit, bei dir vorbei zu laufen, mir einen Kuss abzuholen, mir den Potsdamer Platz anzusehen und das Brandenburger Tor laufend zu erreichen. Das war es für mich alle mal wert und ich würde es jederzeit wieder so machen.

Ich denke, jeder sollte ich eine Zeit für einen Marathon vornehmen. Allein für das Training und für die Renneinteilung ist das wirklich sinnvoll. ABER macht euch nicht zum Sklaven dieser Zeit. Wenn es nicht passt, wenn ihr einen schlechten Tag habt, wenn ihr am Vortag zu lange auf der Messe wart, wenn ihr vor Aufregung nicht gut genug frühstücken konntet, dann lauft einfach nur euren Marathon. Lasst euch durch ein paar Minuten mehr oder weniger nicht die Erfahrung nehmen, die ein Zieleinlauf unter dem Jubel von vielen unbekannten Menschen bedeutet. Denn einen Marathon zu finishen, ist großartig genug!

Kristin: Diese Einstellung finde ich so bewundernswert an dir! Du hast es absolut richtig gemacht! Run happy – auch deinen ersten Marathon. Davon können sich viele Läufer eine Scheibe abschneiden (inkl. mir), die es einfach zu verbissen angehen. Danke, dass ich von dir lernen darf!

Was mich nun noch interessiert: Du bist deinen ersten Marathon in Berlin gelaufen, einen der größten Marathons der Welt. Würdest du Newbies empfehlen, Berlin als ersten Marathon zu laufen oder hättest du im Nachhinein lieber einen kleineren Marathon als ersten gewählt?

Christoph: Das kann vermutlich nur jeder für sich entscheiden, aber ich erzähle gern mal die Vor- und Nachteile aus meiner Sicht: Der große Vorteil von Berlin ist die motivierende Menschenmenge am Streckenrand und zwar über die gesamten 42,195 Kilometer. Da herrscht nahezu Volksfest-Stimmung und ich habe mehr als einmal gedacht, wie cool es wäre bei der einen oder anderen Band stehen zu bleiben und ein wenig zu feiern. Weiterhin ist Berlin natürlich bestens organisiert. Von der Anmeldung, über die Kleiderabgabe/-rückgabe bis hin zur Verpflegung an der Strecke. Hier ist nichts dem Zufall überlassen. Das kann einem die Nervosität schon nehmen. Auch die Zeit für den Berlin-Marathon ist in meinen Augen super. Ende September ist es meist noch warm genug, aber auch schon nicht mehr hochsommerlich heiß. Was ist an Berlin nicht so schön für einen Anfänger: Über 40.000 Läufer sorgen für eine Menge Gedränge auf der Strecke, vor dem Start und im Zielbereich. Wartezeiten bei der Startnummernausgabe, an den Dixiklos und bei der Kleiderabgabe sind vollkommen normal. Auch auf der Strecke sind 40.000 Läufer durchaus nicht zu unterschätzen. Meine Hoffnung, dass sich die Menge mit der Zeit verteilt, hat sich nur bedingt erfüllt. Da ich mit meiner geplanten Zeit einer der schnelleren Läufer des Blocks H (Zielzeit ab 4:15h) gewesen bin, musste ich dauernd andere Läufer überholen. Als Neuling startet man aber automatisch im letzten Block und muss sich ganz schön durchkämpfen. Dies hat mir gefühlt extrem viel Kraft geraubt und ich habe nicht in ein gleichmäßiges Lauftempo gefunden.

Kristin: In Berlin bist du nun bereits die Königsdistanz gelaufen. Willst du jemals wieder einen Marathon laufen? Und was schwebt dir dafür im Kopf?

Christoph: Ja, ich werde wieder einen Marathon laufen. Das steht für mich nach Berlin 2015 fest. Was ich mir dann vornehme? Ich denke genau das gleiche noch einmal. Eine Zielzeit unter 4:00 Stunden und ein Lächeln auf den Lippen an der Zielgerade. Mein Traumziel? Eher ungewöhnlich: Der Big Sur Marathon in Kalifornien. Von diesem Marathon schwärmen alle Teilnehmer! Wie großartig ist es bitte, eine der schönsten Straßen der Welt in einer atemberaubenden Landschaft, einmal zu Fuß erlaufen zu dürfen?! Und dann hoffentlich mit dir an meiner Seite!

Das hoffe ich auch, mein lieber Christoph! :-) Ich danke dir für diesen wunderbar persönlichen Erfahrungsbericht von deinem ersten Marathon-Erlebnis in Berlin. Leg jetzt erst mal die Füße hoch und dann machen wir in ein paar Tagen wieder zusammen die Straßen und Trails unsicher!

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