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Mein Scanner-Projektbuch

Ich muss sagen, dass ich eure Reaktionen auf den vorletzten Post zum Thema der Scanner sehr interessant fand. Danke für die vielen „Outcomings“!

 Es ist doch schön zu sehen, dass viele Menschen so eine coole Begabung haben und es ihnen gar nicht bewusst ist, aber wenn sie dann davon hören, dass es diesen Begriff gibt, sofort einen Aha-Effekt haben! Bei mir war es vor einem Jahr genauso. Und auch in den letzten Tagen, als ich das Buch noch einmal gelesen habe, hat es bei mir an vielen Stellen wieder „klick“ gemacht. Für mich ist es ein Gefühl der Erleichterung und auch der unglaublichen Freude! Es ist wie eine Legitimation (die man natürlich gar nicht gebraucht hätte), dass es in Ordnung ist, wie der eigene Kopf funktioniert. Es ist etwas Positives, dass ich immer so viele neue Ideen und Einfälle habe und dass ich mich so intensiv für Dinge begeistern kann, wohlwissend dass diese Begeisterung nicht ewig anhalten wird. Als ich diese Erkenntnis vor dem Lesen des Buches noch nicht hatte, da dachte ich oft, dass ich mich mit meinen Ideen zügeln muss. Das führte rückblickend dazu, dass ich mir manche Ideen in der Vergangenheit gar nicht „erlaubt“ habe„Juuuhuuu, Kiten ist so toll. Ich will einen Kitekurs machen und es lernen!!!“ – „Naja, es reicht ja eigentlich auch aus, wenn du zuguckst, wie die anderen kiten. Du musst es doch nicht selber machen.“ Oder ich habe mich gezwungen, bei einer Sache zu bleiben, auch wenn meine Begeisterung dafür längst abgeklungen war, nur weil ich dachte: „Aber ich habe mir doch erst die teure Ausrüstung dafür gekauft. Jetzt musst du auch zeigen, dass es die richtige Entscheidung war!“ Das alles bringt überhaupt nichts! Die Erfahrung habt ihr bestimmt selbst schon gemacht. Sie macht nur unzufrieden, wenn man ein richtiger Scanner ist. Man kann seinen Geist einfach nicht einschränken. Das wäre so, als wenn man Hundewelpen in einer Bibliothek einsperrt und erwartet, dass sie leise an ihrem Platz bleiben (schöner Vergleich von Barbara Sher).

Die Autorin hat in ihrem Buch drei grundsätzliche „Regeln“ für Scanner aufgestellt.

1.) Scanner können nicht weniger Interessen haben.

Sie sind dafür geschaffen, viele unterschiedliche Dinge zu tun. Wenn man sie zurückhält, wäre es so, als wenn man einen Läufer an einen Stuhl festbinden würde.

2.) Scanner wollen nicht weniger Interessen haben.

Bei jeder neuen Herausforderung leben sie auf einmal auf und wollen am liebsten sofort loslegen. Scanner lieben die Abwechslung, weil sie einen wachen Geist haben und eine große Begeisterungsfähigkeit. Laut Sher haben Scanner viele unterschiedliche Talente, das größte Talent aller Scanner ist jedoch ihre schnelle Auffassungsgabe. Sie lernen sehr schnell Neues. Scanner wollen sich daher nicht für eine Sache entscheiden. Eine Mutter würde sich auch nicht für eines ihrer Kinder entscheiden wollen.

3.) Scanner können – und müssen – aus diesen Gründen viele Dinge ausprobieren.

Es ist also völlig in Ordnung, sich vielen Dingen zu widmen. Ob sehr intensiv bis zur Perfektion oder nur ganz kurz wie ein Lichtblitz, das hängt vom jeweiligen Scanner-Typ ab. Das ist eine der wichtigsten Erkenntnisse für mich aus dem Buch!

Doch wie gehe ich jetzt in meinem Alltag weiter damit um, wenn ich weiß, dass ich ein Scanner bin und mich all meinen Ideen widmen „darf“?

Das wichtigste Werkzeug ist für mich mein Scanner-Projektbuch. Die Idee dazu stammt von Barbara Sher und ist so genial wie einfach, finde ich. Das Projektbuch ist erst einmal ein schön aussehendes Buch mit leeren Seiten, welches ihr als eine Art Tagebuch für eure Ideen und Einfälle nutzt. Es dient dazu, alle Ideen, Was-wäre-wenn-Überlegungen und Gedankenausflüge festzuhalten und ihnen einen Raum in diesem Buch zu geben. Es geht nicht darum, Planungen anzustellen, wie man die Ideen am Besten umsetzt! Ihr sollt sie nur genau so und genau in dem Moment festhalten, wenn sie euch in den Kopf kommen.

Schreibt so lange und schmückt es so sehr aus, wie ihr Freude daran habt. Die Begeisterung ist bei mir meist so hoch, dass ich richtige kreative Höhenflüge habe. Es ist dabei völlig egal, ob das realistisch ist oder nicht. Es soll nur Spaß machen! Irgendwann kommt dann der Zeitpunkt, an dem ihr euren Kopf zu dieser Idee völlig leer geschrieben habt. Ihr habt alles festgehalten, was euch wichtig war. Dann notiert noch, warum ihr nun aufhört zu schreiben. Das war’s! 

Ich gebe euch mal ein Beispiel aus meinem Projektbuch:

Ich hatte irgendwann mal die Idee, dass ich gern Handtaschen designen und herstellen möchte. Ich wollte Handtaschen gestalten, die einfach mehr sind als nur Handtaschen. Sie sollten aus den unterschiedlichesten Materialien, Formen, Farben, Motivationssprüchen etc. bestehen. Jede Tasche ein Unikat. Mit einer ganz besonderen Idee dahinter gestaltet. Ich habe mir u.a. eine Handtasche „Urlaubsfeeling“ ausgedacht, mit der man einfach immer ein Stück Urlaub dabei hat! Ich habe in mein Projektbuch gezeichnet, mir Motive überlegt, mir Stoffe ausgedacht, im Internet geschaut und Informationen gesammelt. Irgendwann war die Luft raus und ich wurde ruhig. Es fiel mir nichts mehr ein und ich habe den Eintrag zufrieden beendet.

Hier seht ihr, wie mein geliebtes Scanner-Projektbuch aussieht:

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Mit dem Scanner-Projektbuch wird sich eure Einstellung zu eurer Art des Denkens verändern. So war es bei mir! Es ist wunderschön in diesem Buch voller Ideen zu blättern! Es macht mich stolz, dass ich so kreativ war in den einzelnen Momenten. Ich kann die Freude und die Begeisterung für die einzelnen Ideen in meinen geschriebenen Worten förmlich nachspüren. Außerdem habe ich das Gefühl, dass die Idee nun in meinem Buch bewahrt ist. Ich habe sie als wertvollen Schatz eingeschlossen statt sie als wertlosen Müll schon bei der Entstehung in meinem Kopf abzustempeln. Wenn ich will, kann ich irgendwann daran noch einmal weiterarbeiten. Oder auch nicht. Ganz wie ich mag. Doch das Allerbeste an dem Scanner-Projektbuch ist: Es macht mir unglaublichen Spaß!!! Anfangs musste ich mich noch daran gewöhnen, meinem Geist bei dem Aufschreiben einer Idee wirklich alle Freiheiten zu lassen. Ich hing viel zu sehr an der Vorstellung, dass ich die Idee doch auch umsetzen müsse. Seit ich aber weiß, dass ich nicht alle Ideen umsetzen muss, kann ich in dem Projektbuch auch mal einfach nur „rumspinnen“. Das ist so herrlich befreiend!

Liebe Scanner unter euch, ich kann euch nur sagen: Probiert es mal aus! ;-) Und wenn ihr noch mehr dazu lesen wollt, dann holt euch das Buch „Du musst dich nicht entscheiden, wenn du tausend Träume hast“.