Heute wartet ein ganz besonderer Artikel auf dich. Meine Gastautorin Jenny und ich dachten uns, es wäre mal an der Zeit, auch ein bisschen über Yoga-Philosophie zu sprechen. Denn in der uralten, indischen Philosophie steckt so viel, was uns in unserer modernen, westlichen Welt weiterhelfen kann. Die liebe Jenny überträgt Yoga-Philosophie auf unsere westlichen Lebensstil und erklärt dir, wie Yoga zu deiner Selbstfindung beitragen kann.

Yoga-Philosophie und Moderne – Passt das überhaupt zusammen?

Achtsamkeit, Selbsterforschung und Entschleunigung klingt für dich nach aktuellen Trends? Ich muss dich enttäuschen. Das sind sie ganz und gar nicht. Was wir hier gerade wiederentdecken, predigten Gurus in Indien schon vor vielen tausend Jahren.

Yoga-Philosophie wird oft als abgehobene Esoterik verschrien, die nicht mit unserem westlichen Leben zu vereinbaren ist. Doch ich bin der Meinung, dass diese uralten Überlegungen und Erkenntnisse aktueller denn je sind. In unserer überladenen Welt voller Möglichkeiten, Konsum und Ablenkungen verspricht die Yoga-Philosophie uns einen Weg zu Selbstliebe, Achtsamkeit und innerem Frieden. Und das ganz zu recht.

Was ist Yoga überhaupt?

Yoga ist kein Sport. Yoga ist auch keine Religion oder Ideologie. In erster Linie ist Yoga eine jahrtausendealte aus Indien stammende Lehre, hinter der sich eine ganze Menge verbirgt. Der Begriff yoga stammt aus dem Sanskrit und bedeutet so viel wie „Verbindung“, „Einheit“ oder auch „Harmonie“.

Gemeint ist die Erforschung unseres Bewusstseins und dessen Verbindung mit etwas Höherem, was auch immer das für dich sein mag. Yoga steht dabei nicht nur für diese Verbindung, sondern auch für den Weg dorthin und umfasst somit alle Techniken und Übungen, die es braucht, um das Endziel der Selbstverwirklichung zu erreichen. Das klingt doch gar nicht so fremd oder?

Der yogische Pfad

Der Weg dorthin wird in der Yoga-Philosophie nach dem indischen Gelehrten Patanjali als achtgliedriger Pfad beschrieben. Die Körperübungen (Asanas) sind dabei als drittes Glied nur ein kleiner Teil davon.

Neben den Körperübungen gehören zum yogischen Pfad auch noch freundliches Verhalten gegenüber anderen und einem selbst, Atemübungen, der Rückzug in das eigene Innere, Konzentration, Meditation und schließlich Selbstverwirklichung.

Das klingt für dich jetzt vielleicht erst einmal nach viel spirituellem Schnickschnack, doch die Yoga-Philosophie hält auch eine ganze Menge praktischer Tipps bereit, die wir in unser Leben integrieren können. So lehrt sie uns, dass am Anfang der Selbstverwirklichung immer die Frage steht „Wer bin ich eigentlich?“. Selbsterforschung ist im Yoga genau wie im „echten“ Leben ein wichtiges Thema. Deswegen wollen wir auf die Selbstfindung mal einen genaueren Blick werfen.

Selbstfindung aus der Sicht des Yoga

Die Selbsterforschung wird im Yoga Svadhyaha genannt und gehört zum zweiten der acht Glieder des Yogawegs, dem guten Umgang mit sich selbst. Nicht ohne Grund steht die Selbstfindung neben dem angemessenen Umgang mit unseren Mitmenschen am Anfang des Wegs zur Selbstverwirklichung. Wer ein glückliches Leben führen möchte, kommt nicht drumherum, einen Blick nach innen zu werfen und sich mit sich selbst auseinanderzusetzen.

Der Begriff der Selbstfindung stammt aus der Psychologie und bezeichnet einen Prozess, in dem der Mensch herausfinden möchte, was ihn ausmacht, welche Werte er hat und welche Ziele er verfolgt. Selbstfindung schließt Selbstverwirklichung also mit ein.

Auf dem Weg zum Ich Wie Yoga zu deiner Selbstfindung beiträgt

Wie Yoga dich bei der Selbstfindung unterstützt

Die Selbsterforschung im Yoga geht noch einen Schritt weiter und sucht nach dem Ich jenseits von Körper, Wünschen und Bedürfnissen: das, was dich wirklich ausmacht. Ziel der Selbstreflexion ist es außerdem, das eigene Denken und Handeln zu beobachten, kritisch zu hinterfragen und gegebenenfalls zu ändern.

Fragen, die du dir zur Selbstbeobachtung stellen kannst, sind zum Beispiel:

  • Wie gehe ich mit meinen Mitmenschen um? (und warum?)
  • Wie gehe ich mit mir selbst um?
  • Welche sind meine Motive?
  • Was macht mich wütend/traurig/frustriert und warum?
  • Was macht mich aus?
  • Warum tue ich, was ich tue?
  • Welche Rolle(n) spiele ich?
  • Wer oder was beeinflusst mein Verhalten?
  • Welche Glaubenssätze habe ich?

Antworten, auf manche dieser Fragen zu finden, kann durchaus unangenehm sein. Es erfordert einiges an Mut und starkem Willen. Auf der anderen Seite verspricht die Selbsterforschung, dass du dich selbst besser kennen und verstehen lernst und führt in bestem Fall zu mehr Achtsamkeit und einem neuen Bewusstsein in deinem Handeln und Verhalten.

Schließlich bist du der Mensch, mit dem du in jedem Fall dein ganzes Leben verbringen wirst. Deswegen ist es von Vorteil, wenn du mit dir selbst nicht auf Kriegsfuß stehst, sondern dich so gut wie möglich kennen und verstehen lernst.

Raus aus den alten Gewohnheiten

Ein wichtiges Ziel der Selbstbeobachtung ist es, zu verstehen, warum du wie du auf bestimmte Reize reagierst. Diese Reize können bestimmte wiederkehrende Situationen, einzelne Menschen oder ihre Verhaltensweisen sein. Oft sind wir gefangen in ganz bestimmten Gewohnheiten. Wir reagieren auf bestimmte (meist unangenehme) Reize immer wieder gleich. Denk nur mal daran, in welchen Situationen du wütend oder frustriert wirst. Diese Situationen lehren dich eine ganze Menge über dich selbst.

Durch Selbstbeobachtung kannst du herausfinden, welche Reize dich in besonders negativer Weise aus dem Gleichgewicht bringen und negative Gefühle in dir aufkommen lassen.  Die nächste Frage, die du dir stellen kannst, ist warum. Warum macht es dich so wütend, frustriert…? Dabei entpuppen sich unsere Reaktionen oft als übertrieben oder wir verstehen gar nicht, warum uns eine bestimmte Sache so oft aus der Bahn geworfen hat. Diesen Moment kannst du nutzen, um dich von Wut und Frust freizumachen.

  • Ist es wirklich gerechtfertigt, dass du dich von den besagten Situationen oder Menschen so aus der Balance bringen lässt?
  • Was steckt Positives in der Situation oder hinter dem Verhalten der anderen Person?
  • Wie kannst du anders reagieren?

Was du von der Yogamatte in dein Leben mitnehmen kannst

Doch auch bei den körperlichen Übungen auf deiner Yogamatte kannst du eine ganze Menge über dich selbst lernen. Was dir im „wahren“ Leben begegnet, begegnet dir oft auch im Kleinen auf der Yogamatte.

Anstrengende Asanas fordern dir Geduld mit dem eigenen Körper, Durchhaltevermögen und den Willen ab, auch unangenehme Situationen durchzustehen. Während der Yogapraxis können selbstkritische Gedanken und negative Gefühle aufkommen. Vielleicht klammerst du dich auch besonders stark an einzelne Körperübungen und dein Ego verkraftet Rückschläge nur schwer. Auch mit mangelndem Vertrauen in dich und deine Fähigkeiten oder einem negativen Selbstbild kannst du dich beim Yoga konfrontiert sehen. Einen ausführlichen Artikel über Lektionen, die du auf der Yogamatte für dein Leben lernst, findest du hier auf meinem Blog.

Das alles sind Hindernisse, die dir mehr über dich selbst verraten und an denen du wachsen kannst. Verurteile dich nicht für negative Gedanken, sondern beobachte und hinterfrage sie. Woher kommen sie? Warum denkst du, was du denkst? Warum fallen dir bestimmte Dinge schwer und wie kannst du anders reagieren? So wird die eigene Yogapraxis zur Generalprobe für das Leben fernab von der Matte und schenkt dir Kraft für Hindernisse in deinem Alltag.

Wenn dich das Thema Selbstfindung interessiert, schau gern mal hier vorbei. Dort stellt dir Kristin die besten Bücher zum Thema Selbstfindung vor. Ansonsten freue ich mich, wenn du deine Gedanken mit mir in den Kommentaren teilst. Alles Liebe für dich!

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